über Silat


Silat allgemein
 

PENCAK SILAT
Pencak Silat / Indonesische Kampfkunst und Selbstverteidigung

Einige Leute finden eine Ähnlichkeit zwischen Pencak Silat und den koreanischen, japanischen und chinesischen Arten der Kampfkünste. Ähnlichkeiten sind jedoch nur oberflächlich; tatsächlich ist Pencak Silat einmalig und sehr verschieden von den anderen asiatischen Kampfformen. Die Indonesier trachten danach, den Kampf im Einklang mit der Natur zu führen.

Ein anderer interessanter Aspekt ist, daß Waffen verwendet werden. Der Kämpfer ist in der Lage, bewaffnet und unbewaffnet zu kämpfen. Wie im Karate werden auch hier verschiedene Körperteile als Waffen eingesetzt. Aber auch Schwerter, Stöcke, Messer, Kris und viele andere gebräuchliche und improvisierte Waffen werden benutzt. Interessant ist, daß alle Techniken und Bewegungen, die unbewaffnet ausgeführt werden auch gebraucht werden können, wenn der Kämpfer bewaffnet ist.

Das Silat oder Pencak Silat gehört wahrscheinlich zu den ältesten, formalisierten Kriegs- und Kampfkünsten des malaysischen Archipels. Laut Überlieferung wurde Silat auf der Insel Sumatra geboren und später unter der Madjapahit-Ära auf Java weiterentwickelt. Allerdings sind konkrete Nachweise dafür schwer zu finden. Außerdem haben oftmals die vielen verschiedenen Silat-Lehrmeister eigene Legenden, Geschichten und Theorien über die Entstehung der indonesischen Form des Kampfes bzw. ihres Stils entwickelt.

Im indonesischen Silat gibt es eine unglaubliche Stilvielfalt, so daß die einzelnen Richtungen- abhängig von der ethnischen Gruppe, der Region - sehr verschieden aussehen können.

Typische Stilformen der Insel Java bevorzugen für ihre Kampfmanöver den Einsatz des Oberkörpers, insbesondere der Hände und Ellbogen, um den Gegner zu schlagen, aus dem Gleichgewicht zu bringen oder andersartig offensiv zu manipulieren. Auf Sumatra ist der Einsatz des Unterkörpers, sprich Beine sehr ausgeprägt. Die Silat-Experten dort verfügen über überdurchschnittlich starke Beine, bedingt durch das Besteigen von Hügeln und stundenlange Sitzen in der Hocke. In dieser Region Indonesiens beginnt das Kämpfen oft vom Boden aus, d.h., der Verteidiger setzt sich hin oder läßt sich sogar freiwillig werfen, um damit vom Boden aus weiter agieren zu können.

In den Silatformen auf Sumatra findet man eine Vielzahl von Beinaktionen, wohingegen die Hände überwiegend nur für ein kurzes und schnelles Parieren oder als Gleichgewichtsstützen während ihrer Fuß- und Beinaktionen eingesetzt werden. Der Harimau (Tiger)-Stil der Minangkabau und Ache demonstriert diese beschriebenen Merkmale eindrucksvoll und stellt damit eine einzigartige Kampfmethode in Südostasien dar.

Ähnlich wie bei den philippinischen Kampfkünsten sind alle Pencak Silat-Formen sehr stark an der praktischen Anwendung und Umsetzung der jeweiligen Stilelemente orientiert. Öffentliche Vorführungen des Pencak Silat zeigen jedoch oftmals blumige, tänzerische Elemente, die oberflächlich betrachtet keine Relevanz für praktikable Selbstverteidigungsanwendungen haben. Diese Beobachtungen machten z. B. westliche Ethnologen bereits Anfang dieses Jahrhunderts auf verschiedenen indonesischen Inseln. Nun dieser offensichtliche Widerspruch erklärt sich aus der Bedeutung und des Zusammenhangs der beiden Begriffe "Pencak" und "Silat".

So definiert der renommierte Kampfkunstethnologe Dónn F. Draeger diese beiden Begriffe wie folgt: "Pencak" bedeutet soviel wie geschickte, regulierte Körperbewegungen in Variationen und Kombinationen; "Silat" bedeutet unter Anwendung von Pencak zu kämpfen. Pencak selbst kann als sorgsam, kontrollierte Übung mit oder ohne Partner praktiziert werden. Die Tatsache, dass Pencak oftmals von Percussion-Musik im Hintergrund begleitet wird, erklärt ebenso die Mißinterpretation als Tanzform. Silat Experten geben dieser Musik den Stellenwert einer Trainingshilfe, vergleichbar mit dem Metronom (Taktmesser) im Musikunterricht.

Pentjak ist in Indonesien ein integraler Bestandteil des öffentlichen Lebens, so dass Bewegungen aus dieser Kunst, die oftmals mit Waffen ausgeführt werden, z. B. bei Hochzeiten, Partys, Geburtstagsfeiern usw. in ästhetischer Form beobachtet werden können. Das Silat - angewandt gegen einen Feind - läßt jedoch keinen Zweifel daran offen, dass es sich um Kampf handelt.

Die Schlußfolgerung eines Laien, dass das Pencak Silat eine Tanzform sei oder die beiden Begriffe Synonyme wären, ist demnach nicht korrekt. Das aufmerksame Studium dieser Kampfkunst erklärt auch den vielzitierten Satz der alten Meister:

"Pencak ohne Silat ist sinnlos. Silat ohne Pencak ist wertlos"

Daher existiert ein dynamischer Zusammenhang zwischen diesen beiden Formen, der sich dem Silat-Schüler nach Jahren des bewußten Übens und Lernens aufschließt.